Brief aus Liebe
Was sollte ich noch sagen ? Wenn das Leben mich anschaute verstummte mir jedesmal die Sprache. Ich kam mir dumm vor, so ohne Worte, ohne einen Gedanken fassen zu können, nicht fähig zu erwidern. Vor mir saß es da, blickte mir vorwurfsvoll ins Auge, scharf wie frisch geschmiedeter Stahl. Wir hatten nie festgelegt in einer Beziehung zu leben, wer hätte denn gedacht, dass so etwas passieren würde. Seit Jahren führten wir nun dieses Verhältnis, aßen, tanzten, swingten zusammen. Jeder brachte neue Leute mit, schweigsam im Einverständnis, gewünscht, dass sich ergibt, was ersehnt. Tollheit regierte zuweilen die Szene, zügellose Orgasmen, daraufhin in Kissen gebettet die ménage, Wärme verschieden geformter Körper, Hautpartien, in fahlen Morgentönen dahinschlummern. Den Garten mit dir erforschen, wachen, folgen – zum Fluss hinunter dir nach. Halme des Schilfs als Lustspiel im Wind, unser Versteck, geborgen sobald wir treiben im Teich führst du mich zahm, dein Band, Gelübte mir ist, nie einer Trennung sich vergeuden, und dann, die Nachricht, der Aufruhr, Entscheidungen zu treffen verlangt, ohne uns, die wir monatelang in der Jagdhütte, zurückgezogen den Herbst über uns verbargen, im Schirm durch die Abgeschiedenheit segeln, und leben, doch den heraneilenden Kolonnen unfähig zu entschwinden. Näher und näher, Tross der Maschinen, laut räderndes Metall, dort im Wald, auf dem Feldweg vorüber. Dann stöberten sie auf unserem Grundstück herum, fanden uns schließlich versteckt in der Hütte. Mit zum Meldeamt sollten wir kommen, dass keine Missverständnisse entstehen. Lost, fort!



